Sehr geehrte Frau Lamya-Kaddor,

Über diesen Ihren Artikel, habe ich mir erstaunt die Augen gerieben, insbesondere über zwei Sätze, die für Sie womöglich ein Nebenschauplatz sind, aber für mich sind sie kein Nebenschauplatz: "Die vorlautesten Bürgerinnen und Bürger halten sich auf einmal für die eigentlichen Experten. Weil sie aus irgendwelchen obskuren alternativen Medien etwas erfahren haben."

Sie sprechen von "obskuren alternativen Medien". Das ist sehr schwammig. So kann man gar nicht nachvollziehen, wen Sie denn damit meinen und was Sie unter "obskur" verstehen. So wie Sie das schreiben, machen Sie es sich sehr einfach und es ist für Sie auch geschickt: so sparen Sie sich mühsame Lektüre, zumal ich Ihnen nicht raten würde, kritisch über die gegenwärtigen Maßnahmen zu schreiben, dann wären Sie Ihren Job los.

Warum betiteln Sie Bürgerinnen und Bürger als vorlaut? Und wieder wird nicht klar, wen Sie denn konkret meinen. Irgendwelche Bürger eben. Na ja, vorlaut, das sollte man nicht sein. Das ist ja auch nicht schön! Aber mal nachgefragt: Sind Bürgerinnen und Bürger vorlaut, die sich in Anbetracht der Einheitsmeinung seitens der Leitmedien, das wie ein Trommelfeuer auf sie niederschlägt, sich noch um eine Zweitmeinung kümmern und die dort enthaltenen Argumente auf sich wirken lassen und sich also trauen einen Meinungsbildungsprozess in sich vonstatten gehen zu lassen. Ist jemand, der nach reiflicher Überlegung sich eine Meinung gebildet hat vorlaut? Ist jemand vorlaut, der seine eigene Meinung in den Ring wirft und engagiert mit Andersdenkenden diskutiert? Oder kann man jemanden, der es gewagt hat, sich eine Meinung zu bilden, anhand tatsächlicher unterschiedlicher Expertenargumentationen, als Möchtegern-Experten titulieren.

Gern würde ich Ihnen Hinweise geben zu Experten aus den "obskuren Medien" die eine andere Sicht der Dinge haben. Aber ich verkneife mir das. Ich schätze Sie als jemand ein, der, wenn er sucht, selbst fündig werden könnte.

Behelligen möchte ich Sie aber mit zwei Links, die bei den Leitmedien wohl ausversehen reingerutscht sind, allerdings, wie nicht anders zu erwarten, bisher keinen nennenswerten Widerhall gefunden haben. Zum einen handelt es sich um den Philosophen Nida Rümelin und heute ganz frisch, wieder im Morgenmagazin darf der Statistiker Gerd Antes Kritisches verlautbaren.

 Die Dinge, die hierbei angesprochen werden, sind von immenser Bedeutung und man sollte die Diskussion aus meiner Sicht nicht den Experten überlassen, sondern vor allem den Bürgerinnen und Bürgern.

Ach ja, da wäre noch der schwedische Sonderweg. Noch eine Möglichkeit, diesen nicht nur einseitig kritisch, sondern als gangbaren Weg zu beleuchten. Gerade angesichts Ihrer Biographie, bei der einem Ihr bewundernswerter Mut ins Auge springt, müssten Sie doch eigentlich grundsätzlich prädestiniert dafür sein, Minderheitenmeinungen die nötige Sorgfalt entgegen zu bringen.

Mit besten Grüßen,

Tommy Nube

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